Montag, 4. Juli 2011

1226 "Der allergrößte Würzburger": An ihm darf sich der kleine Mann wieder einmal aufrichten. So, wie an allem, was hierzulande groß daherkommt.

Klaus Bickmann



netzpolitik


Klaus Eck

vor 1 Stunde

In dem vorstehend gebrachten Tweet wurde das auf eine Kurzformel gebracht, was sich auch in der hier formulierten Überschrift thematisiert findet: Das manische und somit geradezu krankhaft sich darstellende Verlangen des unter dem Banner Schwarz-Rot-Gold versammelten Teils der Menschheit. Der sich vor gar nicht einmal allzulanger Zeit ja sogar zum Herren der Welt aufschwingen und damit eine nicht mehr überbietbare Größe erlangen wollte. Leider - oder doch, besser: Gott sei Dank - Fehlanzeige.

Eines der Grundbedürfnisse vor allem des Deutschen scheint es zu sein, sich irgendwie als groß empfinden zu können. Wo diese Größe sich nicht durch eigene Leistung oder etwa auch eine beachtenswerte moralische Statur erlangen lässt - und dies dürfte für über Pi mal Daumen geschätzte 99 Prozent der Bevölkerung der Fall sein -, da muss halt jemand her, mit dem man sich identifizieren kann. Beispielsweise eine Gestalt wie die des Ratzinger. Bei dem man dann in den Jubelruf ausbrechen darf: "Wir sind Papst!"

Mit Nowitzki nun kann man solche Größe nicht erlangen. Mit dem darf man sich aber durch seine Auftritte bei den Basketballmeisterschaften immer noch so in seinem eigenen Selbstgefühl gesteigert erfahren - eine sozialpsychologische Komponente, die bis dato so gut wie nicht weiter hinterfragt oder gar analysiert worden sein dürfte (und wohl auch nicht darf) -, dass man, darüber die eigene Mickrigkeit verdrängend, sich mit dem zufriedenzugeben neigt, was einem sonst so in der Weltgeschichte begegnet.

In dem Text über die "Party mit 10 000 Fans" heißt es: "Ende Juli will er sich entscheiden, ob er bei der EM in Litauen ... spielen wird. ... Mal schauen, ob die Motivation reicht, aber ich glaube schon', machte Nowitzki den Fans Mut." In letzterer Feststellung kommt, ganz anders als beabsichtigt, genau das Moment zum Tragen, um welches es in diesem Eintrag zentral geht: das Angewiesensein speziell des Deutschen auf fremde Größe. Die Botschaft, die in dem Statement steckt, sieht nämlich so aus: "Leute - Ihr fühlt Euch mies und hinsichtlich Eurer Lebensbedürfnisse total übergangen? Da haben wir doch etwas für Euch, was das Zeug hat, Euch trotzdem in Stimmung zu bringen!" Wobei die Welt noch von Glück sagen kann, dass sich diese Stimmung jetzt bei Partys austoben muss, die in unmittelbarer Nachbarschaft eines sportlichen Terrains liegen.

Egal wo die liegen - ob in Wimbledon, wo Boris Becker seine (und mit ihm: des Deutschen) ganz großen Auftritte hatte; ob in Werweißwoimmer der Vettel seine (und mit ihm: des Deutschen) ganz großen Erfolge feiern darf; sei es halt in der Halle, in der Nowitzki (und selbstverständlich auch wieder mit ihm: die Deutschen) mit den Dallas Mavericks über die gegnerische Mannschaft triumphieren durfte(n): Immer geht es darum, das eigene Zurückgesetztwerden kompensieren und sich durch die Niederlage eines Gegners irgendwie Genugtuung zu verschaffen.

Die Welt, die jetzt froh darüber sein muss, dass der Deutsche sein alles kompensieren sollendes Siegesverlangen nur in den Stadien - oder auf den Straßen mit seinem SUV oder einer sonstwie aufgemotzten Kiste - auszutoben sich gehalten sieht, hätte mehr davon, wenn dieses Deutschland sich wieder mehr als "Volk der Dichter und Denker" begreifen würde. Und dieses nicht aus einer auch nur wieder kompensieren wollenden und sollenden Grundhaltung heraus, sondern unter Wahrnehmung des Kritikpotentials, welches sie nur in sich wachrufen müssten. In genau diesem Sinne verfasst: Der soeben erst ins Netz gestellte Eintrag
1225 .

Ob nun mit Boris Becker, Steffi Graf, Dirk Nowitzki, Sebastian Vettel .........

  1. Bilder zu vettel

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  2. Triumph in Monaco: Vettel phantastisch - SPIEGEL ONLINE ...


    www.spiegel.de/sport/formel1/0,1518,765570,00.html
.... oder gleich einer ganzen Mannschaft, nämlich der momentan bei der Fußballweltmeisterschaft der Frauen antretenden: Immer möchte der Deutsche sich in seinem Selbstgefühl gesteigert erleben. Wobei ihm überhaupt nicht aufgeht - weil er zu oft einfach ein Döspaddel ist -, dass dieses Selbstgefühl, weil irgendwoanders entliehen, ja nur eine Fiktion ist. Macht ihm nix: Er feiert Party!

Nach Einschätzung des Bloggers - dessen kritische Analysen von historischem wie auch aktuellem Publikationsmaterial schon gleich zu Beginn seines Studiums immerhin mit der Note "1 plus" versehen wurden (auch mit dem Zusatz, die ersten beiden Worte dabei unterstrichen: "Höchst vorbildlich die Selbstständigkeit der Stellungnahme") - funktioniert dieser Mechanismus der Verdrängung eigener Minderwertigkeit und Irrelevanz für das, was sich auf der Bühne des Geschehens abspielt, weiterhin bestens. Leider ist es so, dass der von kaum jemandem gesehen - geschweige denn in Frage gestellt wird. Mit anderen Worten: Vor dem Hintergrund einer von solchen Sehnsüchten profitierenden Wirtschaft und einer auf diese gestützten Politik kann es nicht verwundern, dass die Sozialpsychologie gerade auch hierzulande allenfalls ein Schattendasein fristet.




Klaus Bickmann



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