Montag, 13. Februar 2012

1585 Kein SPIRITletter, aber dennoch der Inspiration dienend: In der Kolumne EXERZITIEN über die Stellenwert der Monotonie im Religiösen Gefundenes.

Aus dem Riesenstapel von verwertaren Unterlagen, der sich mittlerweile in dem Infolabor des Bloggers angehäuft hat, sei hier eine arg zerknitterte Unterlage herausgegriffen, die, wie im Titel dieses Eintrags gesagt, zwar kein SPIRITletter ist, dennoch aber etwas mit der zu tun hat, um die es auch dem Schreiber dieser Zeilen immer wieder geht.

Da sich das entsprechende Material in einem Zustand befindet, der es unmöglich macht, es in gescannter Form in diesen Blog einzubringen, dessen Betreiber aus seiner aus der Erfahrung gewonnenen Sicht heraus aber ungemein wichtig erscheint, sei es hier in der halt nur noch möglichen Form der Abschrift übernommen. In der besagten Rubrik schreibt der bei der FAS sehr oft sich meldende und in erster Linie für religiöse Themen zuständige Journalist Lorenz Jäger in der Ausgabe 49/11 unter dem Titel "Kern, Blüte und Monotonie" Folgendes:

"Kyrie eleison - Herr, erbarme dich. Das ist das einfachst Gebet, das alles sagt und in sich schließt. Die katholische Kirche singt es, die Orthodoxie des Ostens hat dieses Gebet in den Mittelpunkt ihrer Spiritualität gestellt, es heißt dort, in nur minimal erweiterter Form, das Herzensgebet. Die stete Wiederholung wie bei einem indischen Mantra gehört zur Sache selbst.
Man kann sagen: Um dieses Gebet als Kern herum existiert die Orthodoxie: Die Gebetspraxis ist den Mönchen aufgegeben, sie haben eine unendlich reiche Literatur zu diesem einzigen Satz verfasst, zu seinem Sinn ebenso wie zur Praxis des 'Betens ohne Unterlass', die Paulus einst lehrte. Und erst um diesen Mittelpunkt des Mönchtums bildet sich die byzantinische Kirche. Dies also ist die konzentrierteste Gestalt aller Kräfte, die ein Gebet haben kann.
Die Blüte aber, die Entfaltung des ganzen christlichen Gehaltes, ist der Rosenkranz. Das Gebet hat seinen Namen nach der Perlenschnur, die dem Betenden als äußere Hilfe dient - auch der Islam kennt übrigens Gebetsketten, deren Herkunft sicher orientalisch ist. Auch hier also die stete Wiederholung. Aber es ist nicht ein immer wiederholter Satz, es ist das Ineinander des Glaubensbekenntnisses, des Gloria: 'Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, wie im Anfang, so auch jetzt und alle Zeit und in Ewigkeit', des Vaterunsers, und des Grußes des Engels an Maria: 'Gegrüßet seist du, Maria, voll der Gnade, der Herr ist mit dir. Du bist gebenedeit unter den Frauen, und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes, Jesus. Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns Sünder jetzt und in der Stunde unseres Todes.' Alle werden angerufen, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist - und dazu Maria, die, unter allen Menschen, allen dreien am nächsten gekommen ist. Braucht der Mensch mehr als diese zwei Formen? Sicher, es gibt die besonderen Situationen, die des Segens bedürfen. An sich aber tendiert alles Religiöse, nach einer merkwürdigen Gesetzlichkeit, zur Monontonie.

Es scheint nämlich das Formelhafte, immer Wiederkehrende zu sein, das dem Gebet Kraft gibt. Dagegen fallen die gutgemeinten neueren Gebete, die ich auf der Internetseite der evangelischen Kirche finde, sehr ab: 'Wir beten für die Jugendlichen, die sich fürchten vor der Nacht, weil Albträume von erlittener Gewalt sie überfallen, als wären sie real, für die jungen Frauen, die durch sexuelle Gewalt, und die jungen Männer, die durch Kriegserlebnisse traumatisiert sind.'

In modischer Kleinschreibung bittet man Gott um sein Licht, das 'unseren ängsten standhält'. Ein 'Impuls' zum Gebet gedenkt sogar der mutigen Bärenraupe, die über die Straße geht, auch wenn sie keine Chance hat: 'Sechs Meter Asphalt. Zwanzig Autos in einer Minute. Fünf Laster. Ein Schlepper. Ein Pferdefuhrwerk. Die Bärenraupe weiß nichts von Autos.' Gern wüsste man, wie viele Kirchenaustritte auf das Konto der Fürbitte für die Bärenraupe gehen."

Dem hat der Blogger hier nicht viel mehr hinzuzufügen. Nur soviel: Das, was er bis dato in allen Kirchen - der katholischen wie auch der evangelischen und der baptistischen - mitbekommen hat, ist ein großer Mangel an Spiritualität. Die sich für ihn in erster Linie aus einer Bewusstseinsschulung ergibt, bei der genau das im Vordergrund steht, was sich vorstehend von dem Religionsexperten Jäger ausgeführt findet: die gedankliche Stille, die eintritt, wenn anstelle der vielen Worte das immer und immer Wiederholte tritt - im Stile etwa auch der Taizé-Gesänge, die von dem Blogger nur allzu gerne angestimmt werden..

http://gotradioclassiccountry.radio.de/

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