Mittwoch, 30. Januar 2013

2070 Religiöse Betriebsamkeit und Spiritualität - in einem SPIRITletter dargestellte Äußerungsformen geistlichen Lebens, wie sie gegensätzlicher nicht sein könnten.

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Viele Anfänger auf dem geistlichen Weg entwickeln eine große geistliche Habgier. Sie wollen mit Gewalt mehr wissen, als Gott ihnen eingibt. Sie befolgen immer neue geistliche Vorschriften, holen sich überall Rat und lesen viele entsprechende Bücher. Auf dieses Tun verschwenden sie mehr Zeit als auf die Einübung der inneren Stille und auf das damit verbundene Sterbenlassen der vorherrschenden Ich-Strukturen. Anstatt die innere Armut des Geistes zu pflegen, damit dieser das Licht und die Liebe Gottes in sich aufnehmen kann, belasten sie sich mit immer neuen Bildern und Vorstellungen. Mal pilgern sie hierhin, mal dorthin und laufen allem nach, was auf dem religiösen Gebiet von sich reden macht. Mal verehren sie diesen, mal jenen Heiligen, tragen Reliquien bei sich und schmücken sich überbetont mit dem Kreuz und anderen religiösen Gegenständen. Sie laufen herum geschmückt und stolz wie die Kinder mit Perlen. Dieses unersättliche Streben und Festhalten ist zu verurteilen, da es nicht aus dem Herzen kommt und gegen die Armut des Geistes verstößt.
Peter Dyckhoff, Geistlich leben nach Johannes vom Kreuz (Verlag Herder)
 Ist Ihnen aufgefallen, dass Pater Dr. Peter Dyckhoff hier einen Text von Johannes vom Kreuz ins heutige Deutsch transformiert? Johannes vom Kreuz (16. Jh., Spanien; http://de.wikipedia.org/wiki/Johannes_vom_Kreuz) ist eine der herausragenden Gestalten der mittelalterlichen Mystik – ein Rebell seiner Zeit, mit Depression und Verfolgung ringend –, die natürlich anders »tickt« als heutige Mystik und Spiritualität. Da wir auf solchen und ähnlichen Schultern stehen, ist es wichtig, dass wir wenigstens gelegentlich einen, wenngleich bisweilen befremdlich mystischen Text unserer Vorfahren einbeziehen. Spiritualität besteht und entsteht auch in und durch Anfechtung, Befremden und die folgende Auseinandersetzung mit der jeweiligen Botschaft. Sie dient spirituell gesehen dazu, die eigene Spiritualität zu klären – eventuell in der Unterscheidung von anderen spirituellen Ansätzen und Inhalten. Und kann uns davor bewahren, Spiritualität nur als Wellness-Wohlgefühl misszuverstehen.

30. Januar 2013














HINWEIS
Nach Einführung der neuesten Firefox-Version scheint der folgende Vermerk für die meisten Webnutzer gegenstandslos geworden zu sein:
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Denn: So praktikabel ersterer bei der Erstellung der Posts ist - er unterschlägt jetzt nicht nur, wie zu Anfang, eine ganze Reihe von Bild- und Textmaterialien, sondern mit einem Mal gleich alle. Aus mir unerfindlichen Gründen.




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