Dienstag, 2. November 2010

934 Nicht nur das Auswärtige Amt oder der "Historische Verein für Niedersachsen" haben eine sehr, sehr dunkle Vergangenheit. In die nach 55 Jahren endlich zumindest etwas Licht kommt.


Mit diesen fast 6 Jahrzehnten ist die Zeitspanne annähernd um das Doppelte überschritten, die vorgesehen ist für den erstmaligen Zugang zu Amtsunterlagen. So festgelegt von den Herren, denen es verständlicherweise darum zu tun ist, dass ihre Machenschaften erst dann ans Licht kommen, wenn sie weitestgehend außer Gefahr sind, dafür belangt zu werden.

Belangt worden von dem ganzen Verbrechergesindel, welches beispielsweise im AA herumgemacht hat und jetzt endlich auch als solches bezeichnet werden kann, ist so gut wie niemand. Alle durften weitermachen und an ihrer Karriere basteln. Wohingegen die, die sich den Nazis und ihrem Gedankengut gegenüber widerständig gezeigt hatten, kein einziger ein Fortkommen gefunden hat.
Zentriert
..... ungeahndet geblieben und via aufrechterhaltene Weisungsstrukturen weitertradiert bis in die Gegenwart hinein: zu dieser Sicht muss derjenige gelangen, der etwa kritischer an die Dinge heranzugehen in der Lage ist. Aus einer solchen Sicht heraus - und dies muss mit aller Deutlichkeit und Schärfe gesagt werden, ist unsere Bundesrepublik von Leuten gebaut worden, die zwar unheimlich viel Dreck am Stecken hatten, es aber verstanden, sich als die großen Demokraten aufzubauen und alle Welt bezüglich ihrer Mitverantwortung an den Gewaltexzessen des Dritten Reiches hinters Licht zu führen.

Dass die hohen Herren im AA - von denen ja schließlich viele Adlige und damit was ganz besonderes sind - es verstanden haben, über fast zwei Generationen hinweg ihre Schandtaten vor der Öffentlichkeit geheim zu halten, ist, wie ja etwa auch der Text über den im Titel dieses Eintrags genannten Verein belegt, mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit kein Einzelfall. Nur: Beim Arbeitgeberverband beispielsweise hat es nie so einen wie den Herrn Fischer gegeben, der sich bewogen gesehen hätte, den betreffenden Spuren einmal nachzugehen.

Da wir gerade beim Arbeitgeberverband sind: Der gehörte doch mit zu denen, die das größte Interesse an einem Funktionieren der Wirtschaft genau in dem Sinne der Nazis hatte: möglichst reibungslos und widerstandsfrei. Und dieses unter äußerst inhumanen Bedingungen. Die Ermordung von deren Präsidenten, dem Eberhard Schleyer, hat - ganz anders als die Leute bei der RAF sich dieses sich wohl vorgestellt haben - zu einer Ablenkung von den Umtrieben dieser Herren im Dritten Reich geführt, einem Reich, in dem sie ja eigentlich nur reich werden wollten. Was ihnen dann ja auch bestens gelungen ist.

Mithin kann den Akteuren auf der wirtschaftlichen und der politischen Bühne auch heute im Grunde so gut wie kein Vertrauen entgegengebracht werden: alle machen einfach mit bei dem Geschacher um irgendwelche Posten und bei der endlosen Vorteilshascherei - nicht anders, als es im Dritten Reich üblich war. Aber alle verstehen es, unter dem Mäntelchen des Demokraten daherkommend, ihre Interessen zu verbergen und die in Schach zu halten, die meinen, gegen das aufzubegehren zu sollen, was von denen - ungewollt sich selbst entlarvend - als "systemrelevant" bezeichnet zu werden pflegt.

Zum Abschluss dieses Eintrags noch ein persönliches Wort: Ich bin heilfroh darüber, dass ich mein Geschichtsstudium, welches ich im Jahr 1965 habe aufnehmen können, trotz zweier mit "1+" bewerteter Semesterabeiten, bei denen die kritische Analyse von Zeitdokumenten gefragt war, dieses abgebrochen habe. Weil ich mich einfach hätte erbrechen müssen, wenn ich in eine solche Lage wie der Historiker Eckart Conze geraten wäre, der ja bereits in Post 929 vorgestellt worden ist. Erbrechen deshalb, weil es mir einfach hochgekommen wäre bei all dem Wahn- und Widersinn, der mir bei dem Aktenstudium aufgegangen wäre.

PS: Werte/r geneigte/r Leser/in: Sofern Ihnen Form und Inhalt dieses Eintrags zusagen, sollte dessen Weitergabe oder aber gleich des Blogs via Link an Ihren Freundes- und Bekanntenkreis eigentlich nichts im Wege stehen. Für den Fall, dass Sie auch über die Adressen offiziöser Stellen verfügen: Geben Sie das Material ruhig auch an die weiter. Damit vielleicht der/die eine oder andere der dort Tätigen sich besinnt und nicht mehr mitmacht bei dem hierzulande weiter und weiter veranstalteten Wahnsinnstreiben. So, dass die von Politikern gepflegte, nur dem Eigeninteresse verpflichtete Verfälschung der Wirklichkeit denn doch einmal ein Ende findet und die Demokratie eine Chance bekommt, mehr zu sein als bisher - eine nur nützliche Fiktion.


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