Samstag, 6. Dezember 2008

122 Zur Frage der Erinnerungskultur in Sachen Kriegsschuld und Verbrauch von Volksenergien.

 








































----- Original Message -----
From: "Ralf Schickhaus" <Ralf.Schickhaus@t-online.de>
To: <martin_cross@web.de>
Sent: Thursday, December 04, 2008 6:33 PM
Subject: Denkmal

Frhr.Knigge´sche Miteigentümerschaft (FKM)
Ralf F. Schickhaus
Rittergut Bredenbeck
30974 Wennigsen
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Hallo Herr Bickmann,

Heute habe ich mit Frau Grube telefoniert und Sie hat mir von der Vielzahl an Spenden berichtet, die inzwischen für die Herrichtung des Denkmalplatzes gesammelt wurden. Die Gruppe Gartenregion, der ich zwischendurch immer wieder aktiv angehöre, wenn es mein Beruf zulässt, hat damit schon einiges geleistet. Sie hatten sich doch auch in Presse und Stehkaffee engagiert.

Wollen Sie nicht auch beim Zusammentragen der notwendigen Mittel in einerIhnen möglichen Form beitragen? Wäre doch schön, oder?

Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Abend!
Herzliche Grüße

Ralf Schickhaus

P.S.: Ansprechpartner für die Gartenregion sind Bärbel Back, Renate Grube
und Karin Meyer.


Hallo, Herr Schickhaus!

Ihre abschließende Frage kann ich leider nicht in dem von Ihnen angedachten Sinne beantworten. Der Hauptgesichtspunkt dabei: Sowohl meine Frau wie auch ich haben uns schon immer für das Leben, für das Weiterführende entschieden. Und die Einübung in Larmoyanz, die zumindest für uns mit dem ganzen Geschehen am Volkstrauertag verquickt ist, ist nicht unser Ding. 


Im Einzelnen: Sie wissen, dass wir fünf Kinder haben. Was schon einmal für den fraglichen Gesichtspunkt sprechen mag. Da wir einem unserer Söhne noch mit monatlich 800 Euro sein Studium finanzieren, ist unser Etat einigermaßen begrenzt. Von dem, was als Verfügungsmasse bleibt, unterstützten wir die lebensförderlichen Initiativen von attac und der Franziskanermöche von ich weiß nicht wo - die entsprechenden Einzahlungen nimmt meine Frau vor. Ferner fördern wir die Bewegung 'SOS Kinderdorf' und 'Kinderdorf Rio' sowie das Kinderhilfswerk von UNICEF. Und noch die eine oder andere Initiative, die ich jetzt nicht parat habe, weil, wie gesagt, meine Frau in der Angelegenheit federführend ist.

Ich stelle dies so ausführlich dar - wegen seiner grundsätzlichen Bedeutung übrigens auch im Web -, um Ihnen einen Eindruck davon zu vermitteln, wie wir die Akzente setzen. Und hier komme ich zu den politischen Aspekten, die der ganzen Geschichte mit der Denkmalkultur implizit sind. Die Hauptbetreiber und Nutznießer des Betriebes "Drittes Reich" sind entweder, wie die Industriebosse, viel zu wenig belangt worden, oder konnten, wie etwa ein Globke, nach dem II. Weltkrieg völlig ungestört weiter schalten und walten - während das Volk sich besonders an dem von solchen Akteuren mit ins Leben gerufenen Volkstrauertag an die Brust schlagen und "Mea Culpa" vor sich hinmurmeln durfte.
Was nutzt die "Erinnerungsarbeit" und die auf ihr gegründete, aber sehr wackelig dastehende Erinnerungskultur, wenn auch heute den Umtrieben in der rechten Szene, wenn überhaupt, nur sehr zögerlich - um nicht zu sagen: widerwillig - gewehrt wird? Ein Jörg Haider, der ja zu Tode gekommen ist, bevor er größeres Unheil anrichten konnte, mag Ihnen da, die Szene etwas verfremdend, als Beispiel vor Augen stehen. Oder die Kette von Berichten über Waffenfunde bei Akteuren in dieser Szene, die, weil sie Angst verbreiten, gewissen Leuten in unserem immer noch recht schönen Ländle sehr gelegen kommen. Ein wirklich energisches Durchgreifen der Ordnungshüter in unseren Landen speziell in diesem Punkte: Fehlanzeige. Ich halte dafür, dass, meinte man es wirklich ernst damit, für die Zukunft solche Fehlentwicklungen wie unter den Nazis zu verhindern, ganz anders an den ganzen Komplex herangegangen würde. Und im Zuge einer Aufarbeitung des Komplexes 'Drittes Reich' auch hätte herangegangen werden müssen. Dazu werde ich mich vermutlich in näherer Zeit in meinem Blog weiter äußern, der mir übrigens von dem bereits angesprochenen Sohn als Kommunikationsmedium anempfohlen worden ist.

Im Übrigen darf ich darauf verweisen, dass ich mich nicht nur im Stehcafé und in der Presse in der fraglichen Angelegenheit engagiert habe, sondern auch bei zwei Arbeitseinsätzen am Denkmal, für dessen Instandsetzung jetzt ja 16000 Euro veranschlagt werden, aktiv mit eingebracht habe. Wenn ich bei dem einen Mal, wo die Presse auf der Bildfläche erschien, bis zum Fotoshooting gewartet hätte, wären Sie dieses Umstandes vermutlich gewahr geworden.

Und dieses noch zum Abschluss: Aus meiner Privatschatulle hätte ich gerne 100 Euro zur Denkmalspflege beigesteuert, wenn dieses sich, wie von mir vorgeschlagen - übrigens auch von dem Landschaftsbauer Jacobi ins Spiel gebracht und sogar durchgerechnet -, von dem der öffentlichen Wahrnehmung ja überhaupt nicht entsprechenden zentralen Platz weg hätte versetzen lassen: so, dass der dann einladend hätte gestaltet werden können. Ohne dass dabei - da nur etwa 20 Meter weiter entfernt platziert - die Pietätsgefühle, die ja auch berücksichtigt werden wollen, über Gebühr tangiert worden wären.

Ich hoffe, Ihnen hiermit meinen resp. unseren Standpunkt in der
Angelegenheit hinreichend deutlich gemacht zu haben und zeichne mit einem

Grüezi wohl

Klaus Bickmann
PS: Das hier gleich mehrfach gebrachte Foto samt Bericht findet sich - wieder mal so recht passend - in der HAZ vom Montag, dem 08.12.08. Ich finde es schon gar nicht mehr erstaunlich, wie gelassen die Behörden auf alles reagieren, was irgendwie mit der rechten Szene zu tun hat, wie energisch sie aber durchgreifen, wenn Proteste gegen sie laut werden. Liebe Leute: Unser Gemeinwesen entwickelt sich mehr und mehr von einem Rechtsstaat zu einem RECHTS-Staat! Dem Smiley möchte darob das Grienen wirklich vergehen.






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